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„Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht …“

Nicht immer passt das Eingangslied so sehr zur Liturgie des Tages wie an diesem 3. Juli-Sonntag. Die St.Nikolaus-Gemeinde feierte nach den Einschränkungen der Corona-Pandemie erstmals wieder an einem ganzen Wochenende ihr alljährliches Pfarrfest.

Der 2. Liedvers sagt, was die feiernde Gemeinde von Gott erwartet: „…nun schenk uns deine Nähe und mach´die Mitte gut“ (GL 465).Dass etwas gut wird, ist nicht so ganz selbstverständlich. Birgit Nohr (Liturgieausschuss) sagte es zu Anfang: „Einer fröhlichen Vorfreude hätte eigentlich nichts im Wege gestanden, aber die aktuellen Ereignisse - der Weggang der Redemptoristen vom Kloster bei St.Alfons im Juni 2024 - ließ bei der Vorbereitung des Gottesdienstes keine rechte Freude aufkommen“. Der Abschied der Patres - zehn Jahre waren sie dann die verantwortlichen Priester in der Pfarreiengemeinschaft Würzburg-Ost - wird vermutlich noch das ganze kommende Jahr die Stimmung in St.Nikolaus belasten.

Die Hl. Messe war intensiv vorbereitet worden. Die Lesung aus dem Buch Deuteronomium lieferte den Impuls für die besondere Liturgie: Zum Halbjahr, „wenn man beginnt die Sense an den Halm zu legen, sollst du das Wochenfest feiern. Du sollst vor dem Herrn, deinem Gott, fröhlich sein“ (Dtn 16, 9-12). Mehrmals wird der Aufruf zur Fröhlichkeit wiederholt; angesichts der vielen Ge- und Verbote der Religion etwas ungewohnt in unseren Ohren. Einige Arbeitsgeräte lagen zunächst vor dem Altar: eine Sense, ein Schubkarren, ein Laptop, ein Malereimer, ein Schulranzen. Sie standen für die Arbeit im zurückliegenden Halbjahr. Die Ministranten und Ministrantinnen legten dann an ihrer Stelle Gegenstände hin, die das Feiern und Fröhlichsein (zumal am Pfarrfest) im Sinne des Moses-Wortes in der Lesung veranschaulichten: eine Bierbank, ein Kuchen, ein Bocksbeutel, Getränke und Gläser. Ihre symbolische Bedeutung: Die Arbeit ist getan, es darf gefeiert werden. Ein halbes Jahr diente der Arbeit und dem Lernen, jetzt ist eine Pause angesagt, der Urlaub und die Ferien sollen genossen werden. Konkret auf das Pfarrfest bezogen: Miteinander feiern, sich unterhalten, die Nähe der anderen suchen und sie als etwas Schönes empfinden.

 Ein alttestamentlicher Text aus dem 7.Jahrhundert v.Chr. hat seine Wirkung auf die Gestaltung des Festgottesdienstes und des Pfarrfestes. In solcher Tradition steht der  Glaube der Juden und Christen, über den in unseren Tage oft so abschätzig und distanziert gesprochen wird.

Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von Georg Stirnweiß (Piano), Bernd Hesselbach (Schlagzeug), Thomas Plauk (Gitarre), Harald Tempel (E-Gitarre), Judith Wohlleben  und Edith Sotriffer (beide Querflöte).

Das am Sonntag gut besuchte Pfarrfest war am Samstagabend zuvor durch ein Konzert des Chores Concino unter Leitung von Sascha Wehmeier in der Kirche begonnen worden. Der Gesang der 26 Frauen und Männer begeisterte wie nun schon 13 Jahre lang mit seinen englisch- und deutschsprachigen, bekannten und weniger bekannten Liedern das Publikum.

Am frühen Sonntagnachmittag besuchte der St.Nikolaus-Kindergarten das Pfarrfest. Die fröhliche Stimmung, die die Kinder und ihre Begleiterinnen mitbrachten, entsprach ganz und gar den Motiven und Impulsen des Gottesdienstes am Vormittag. Nahezu voll besetzt war im Anschluss daran der Pfarrsaal, als eine perfekte Show in Bild und Ton über das Zeltlager der Gerbrunner KJG (Katholische Junge Gemeinde) in der Pfingstwoche geboten wurde. Auch viele Eltern waren mitgekommen, um zu sehen, was ihre Sprößlinge da in Oberdachstetten so getrieben haben.

Die Leitung der Pfarrei und ihr Festausschuss danken sehr herzlich den vielen Helferinnen und Helfern, die zuverlässig und engagiert zum Gelingen des schönen Festes beigetragen haben.

Ein meditativer Gedanke zum Schluss:

Unser Leben, es möge mehr sein als Gleichförmigkeit, mehr als Arbeit, Essen und Schlafen. Es möge auch den Höhepunkt kennen und den Kontrast, die Heiterkeit, den Tanz und den Glanz  (Jaqueline Keune).

R.Kies

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